Geschichte

Keimzelle Tännesberg war mit ziemlicher Sicherheit die Burg. Erstmals urkundlich erwähnt wurde Tännesberg im Jahre 1150 im Traditionskodex des Klosters Reichenbach.

Damals schenkten drei Brüder von Willhof dem Kloster einen Grundbesitz in Pischdorf. Sie übergaben ihn in die Hand des Irinfrid de Swerzinfelt (Schwarzenfeld), der in auf Bitten des Abtes Erchinger zur Verwaltung, zusammen mit einem Gut Weidental (einer Schenkung des Gisilbertus de Weidintal an das Kloster) einem Reginger de Tegenisperge übertrug. Als Zeuge wird in dieser Urkunde auch ein Otto de Tegeninisperge genannt.

Die beiden Tännesberger waren Dienstleute des Markgrafen von Nabburg. Tännesberg war damals ein Eigengut der Diepoldinger, Markgrafen von Nabburg.

Bestanden aber hat Tännesberg schon wesentlich früher. Sein Alter läßt sich allerdings nur über die Ortsnamensforschung in etwa erschließen. Wolf-Armin Freiherr von Reitzenstein leitet den Namen von dem Personennamen THEGAN ab. Dafür spricht vor allem die Schreibweise in der Urkunde von 1150. Dieser Personenname würde auch auf eine relativ frühe Gründung hinweisen (spätestens im 10. Jahrhundert). Bekräftigt wird diese Vermutung durch die -dorf-Orte in unmittelbarer Nähe, deren Entstehung ebenfalls in das 10 bzw. frühe 11. Jahrhundert fällt.

  • Paulsdorfer

     

    Als die diepoldinger Markgrafen von Nabburg mit Diepold III. am 8 April 1146 ausstarben, verlieh König Konrad III. die Mark seinem Schwager Graf Gebhard III. von Sulzbach. Nachdem auch dieses Geschlecht 1188 ausstarb, traten die mit ihnen verschwägerten Grafen von Ortenburg deren Erbe an, u. a. auch in Murach und Tännesberg.

    Die auf Waldthurn und Waldau sitzenden ortenburgischen Ministerialen von Paulsdorf kamen so auch nach Tännesberg. 1202 wird der ortenburgische Ministeriale Heinricus de Teininsberg genannt und 1237 ein Friedrich von Tännesberg, der personengleich mit Friedrich von Waldau und damit jedenfalls ein Paulsdorfer sein dürfte.

    1276 nennt sich dann ein Konrad von Waldau nach Tännesberg und spätestens 1280 war Tännesberg Eigenbesitz der Paulsdorfer. Vier Paulsdorfer Familien wohnten in zwei Burgen, dem oberen und dem unteren Haus, auf diesem Berg.

    Die Paulsdorfer waren ein sehr bedeutendes Geschlecht und hatten - jedenfalls im 14. Jahrhundert - umfangreiche Besitzungen in der Oberpfalz.

  • Wittelsbachisches Pflegeamt

     

    Ab 1394 verkauften die Paulsdorfer ihre Tännesberger Besitzungen an den wittelsbacher Pfalzgrafen Ruprecht III. Es dauerte 6 Jahre (bis 7. Februar 1400) bis der Pfalzgraf die ganze Herrschaft Tännesberg erwerben konnte. Sie umfaßte außer dem Markt Tännesberg die Orte Bernhof, Hammer Böhmischbruck, Etzgersrieth (etwa zur Hälfte) Großenschwand, Kainzmühle Kaufnitz, Kleinschwand, Kleßberg, Kohlmühle, Schleifmühle (= Neumühle), Schnegelmühle, Ober- und Unterlind, Pilchau, Schömersdorf, Tanzmühle, Trichenricht, Voitsberg, Woppenrieth mit Hammer Woppenrieth (= Fischerhammer), Zeinried. Später kam noch Ödreichersried hinzu.

    Während die Paulsdorfer die Herrschaft Kürn (bei Regensburg) erwarben. Tännesberg wurde nun ein wittelsbachisches Pflegamt.

    In einer Urkunde von 1401 wird mit Heinrich Frickenhofer erstmals ein Pfleger und mit Asemorer ein Amtmann "zum Denelsperge" genannt.

    Nach dem Tod Pfalzgraf Ruprechts (18. Mai 1410), der inzwischen deutscher König geworden war, erhielt mit Vertrag vom 26.9.1411 Pfalzgraf Johann die Schranne Neunburg v. W. Es entstand das Teilfürstentum Pfalz-Neumarkt-Neunburg, zu dem auch die beiden Pflegämter Tännesberg und (Burg-)Treswitz gehörten.

  • Markterhebung

     

    Schon am 22. März 1412 erhob Pfalzgraf Johann Tännesberg zum Markt und verlieh ihm die Rechte seiner Residenzstadt Neunburg v. W. Tännesberg kann damit als einziger Markt im ehemaligen Landkreis Vohenstrauß nicht nur diese frühe Erhebung urkundlich nachweisen, sondern es wurde durch die Verleihung der Rechte der Residenzstadt auch besonders hervorgehoben. Mit der Verleihung der Marktrechte war die niedere Gerichtsbarkeit verbunden.

    Am Montag, dem 31. Oktober 1440, verlieh Pfalzgraf Johann Tännesberg 3 Jahrmärkte ( den ersten auf den zweiten Sonntag nach Ostern, den Zweiten am Sankt Ulrichstag = 4. Juli, den dritten am St. Thomastag = 21. Dezember) und einen "ewigen wochen marckht" jeden "Ergtag" (Dienstag). Der Wochenmarkt war in den Wirren des 30jährigen Krieges offensichtlich außer Übung gekommen, denn am 18. April 1637 beantragten die Tännesberger erneut die Erlaubnis zur Abhaltung eines Wochenmarktes jeden Dienstag, was ihnen schließlich am 18. Januar 1639 auch zugestanden wurde.

    Kurz nach dem Spanischen Erbfolgekrieg, am 3. Dezember 1718, bat der Markt Kurfürst Maximilian Emanuel um Genehmigung eines Monatsmarktes. Dagegen protestierten am 4. Februar 1719 Bürgermeister und Rat von Moosbach, letztlich aber ohne Erfolg; denn am 7. April 1721 genehmigte der Kurfürst dem Markt die beantragten Monatsmärkte.

  • Christoph, König von Dänemark

     

    Nachfolger Pfalzgraf Johann wurde sein Sohn Christoph, König von Dänemark, Schweden und Norwegen. Er war gezwungen, Tännesberg am 21. August 1444 an Albrecht von Murach für 15.000 Gulden zu verpfänden.

    Der Sohn und Nachfolger des letzteren wurde 1466 unter Pfalzgraf Ott der Homosexualität beschuldigt und gefangen genommen. Am 25.3.1466 legte der Muracher ein Geständnis ab. Um mit dem Leben davon zu kommen, mußte er Tännesberg zurückgeben und auf die Pfandsumme verzichten.

  • Mauerbau

     

    Die Bedeutung des Marktes Tännesberg zur damaligen Zeit ersieht man daraus, daß 1570 Pfalzgraf Ludwig zur Erbauung einer Mauer um den Markt einen Zuschuß von 210 Gulden bewilligte, auszahlbar in 6 Jahresraten zu je 35 Gulden (1 Gulden war damals der Preis für 1 Schwein, ein Maurergeselle mußte dafür 10 Tage von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang arbeiten).

    Am 2. Mai 1570 verpflichteten sich Bürgermeister und Rat diese Mauer innerhalb der vorgegebenen Zeit zu errichten. Diese Mauer und die beiden Burgen auf dem Schloßberg sind noch heute auf dem Altarblatt des linken Seitenaltars in der Jodokkirche zu sehen.

  • Schicksalsschläge

     

    Auch schwere Schicksalsschläge mußte der Markt durchstehen. Die Kriegsschäden im Dreißigjährigen Krieg waren enorm. Als der Markt am 8. Juni 1663 - 15 Jahre nach Kriegsende - Kurfürst Ferdinand Maria um Bestätigung seiner Marktsprivilegien bat, begründete er seine Bitte u. a. damit, daß die Bevölkerung durch tägliche Einquartierungen in arge Armut geraten sei.

    Die Einwohner hätten sich wie die wilden Tiere im Wald aufgehalten. Dann hätte die Pest im Jahre 1634 viel Schrecken, Elend und Jammer gebracht. Zeitweise wären im Markt nicht mehr als fünf Paar Eheleute gewesen. Dazu seien im Jahre 1639 mehr als 40 Häuser und 33 Städl abgebrannt. Die Marktsmauern seien aus Mangel an Baugeldern zugrunde gegangen.

    1642 sei beim Durchmarsch der Truppen Piccolominis durch schwere Einquartierungen und eine erneute große Feuersbrunst großer Schaden entstanden. Der Kirchturm sei eingefallen und das Rathaus baufällig. Dazu seien die Einnahmen aus dem Brauwesen stark zurückgegangen.

    Am 9. November 1726 brach in der Baderwohnung Feuer aus. Alle Gebäude innerhalb der Ringmauern wurden ein Raub der Flammen. Auch Kirche, Pfarrhof und Rathaus mit den Archiven wurden vernichtet. Zehn Menschen kamen in den Flammen um.

    Die Steuerrechnung von 1743 weist immer noch viele Brandstätten aus. In einem Schreiben des Marktes an den Kurfürsten werden weitere große Brandkatastrophen für die Jahre 1664, 1765 und 1771 genannt. 1765 war das Feuer im "Gasthof zur Sonne" ausgebrochen.

    Am 18. Mai 1826 setzte ein Blitzschlag den Markt in Brand. 68 Wohnhäuser, 95 Nebengebäude, Kirche, Rathaus und Schulhaus, 3 Torturmhäuser und die Fleischbänke brannten nieder.

    In der Nacht vom 3. auf 4. August 1839 brannte der Markt erneut völlig ab. Die Grundstücke wurden nun neu ausgerichtet und die Brandleider am 17. April 1840 in die Bauplätze eingewiesen.

  • Privilegien

     

    Mit der Markterhebung vom Jahre 1412 erhielt Tännesberg die Rechte der damaligen Residenzstadt des Pfalzgrafen Ruprecht, Neunburg vorm Wald. Sie durften z. B. sogenannte "Wandel" (=Geldstrafen) erheben. Folgende Strafen sind in der Urkunde festgesetzt:

    • 2 Pfund und 60 Amberger Pfennige (= 540 Pfennige) für Lähmungen

    • 5 Pfund und 60 Pfennige von den "fließenden Wunden"

    • 1/2 Pfund und 12 Pfennige von unblutigen Schlägen oder Scheltworten.

    Von diesen Gerichtsgefällen bekam einen Teil das Hochgericht, ein Teil war für den Marktbau bestimmt, 12 bis 60 Pfennige erhielt der Büttel (=Amtsknecht). Außerdem hatte der Markt das Recht die Abgaben auf Fleisch, Erbteilung, Testamente für seine Bürger beurkunden. Der Markt Tännesberg bildete also einen eigenen Niedergerichtsbezirk.

    Gegen Ende der 60er Jahre des 17. Jahrhunderts machten der Rentmeister und das Pflegeamt von Tännesberg und Treswitz dem Markt die Zuständigkeit im Lebensmittelrecht und seine Privilegien streitig. Daraus entwickelte sich ein etwa 130 Jahre dauernder Rechtsstreit, der schließlich 1795 zugunsten des Marktes sein Ende fand.

  • Aus der Kirchengeschichte

     

    Die Pfarrei Tännesberg ist erstmals im Jahr 1300 erwähnt, als der Propst des Augustinerchorherrnstifts St. Mang in Regensburg einen Streit zwischen dem Pfarrer in Tännesberg und der Pfarrei Etzgersrieth über die Pfarrzugehörigkeit von Perleusreut (bzw. Perleinsreut) entschied.

    Auch im Pfarreiverzeichnis von 1326 ist sie als Seelsorgestelle genannt. Erster urkundlich genannter Pfarrer war 1484 Johannes Stöberl.

    Von 1552 bis 1625 war Tännesberg evangelisch. 1626 wird wieder ein katholischer Seelsorger ernannt. 1634 bis 1652 war Tännesberg mit Böhmischbruck zusammengelegt. Dann hatte es wieder eigene Seelsorger. Zum Seelsorgebezirk gehörte 1627 bis 1695 auch Gleiritsch, das dann zu Weidenthal kam.

    Schon im Salbuch von 1542 wird auch eine Kapelle zu St. Jobst genannt. Weiter heißt es dort, daß der Pfarrer einen Kaplan für die Herrschaft "halten" müsse.

    1854 bedurfte der Hochaltar der Pfarrkirche dringend einer Reparatur. Dazu stellten am 4.4.1854 mehrere Mitglieder der Pfarrei 5.400 Gulden zur Verfügung.

    Wie zahlreiche Testamente zeigen, waren die Tännesberger i.a. sehr fromm. Trotzdem gab es natürlich auch Differenzen mit ihrem jeweiligen Pfarrherrn. So beschwerte sich die Bürgerschaft am 10.1.1667 darüber, daß der Pfarrer so wenige Gottesdienste und Predigten halte. Dadurch mache er den Markt einem Dorfe gleich und entziehe ihm "Gewerbe und Recht".

  • Brauwesen

     

    Nach der Markterhebungsurkunde hatte Tännesberg das Recht "alle Gesetze über Fleisch, Brot und Trinken zu setzen" und eine Verbrauchsteuer darauf nach Bedarf festzusetzen. So war das Brauwesen eine wichtige Einnahmequelle für den Markt.

    Anfang des vorigen Jahrhunderts waren z.B. vom Sud Bier 2 Gulden zu zahlen. Das ergab laut Kesselrechnung für das Etatjahr 1812/13 eine Summe von 193 Gulden 41 Kreuzern und 2 Pfennigen. Dem standen Ausgaben von 67 Gulden 35 Kreuzern und 2 Pfennigen gegenüber.

    Wie der Urkataster aus der Zeit um 1842 ausweist war damals auf 151 von insgesamt 161 Gebäuden das Braurecht als "Realgerechtigkeit". Ausgenommen waren nur das Rathaus, das Schul- u. Mesnerhaus, Brauhaus und Malzhaus selbst, das Armenhaus, die Kirchen, der Pfarrhof, das Hirtenhaus und das sogenannte Ebnethäusl.

    In der Erhebung von 1921/22 werden immer noch 32 Kommunbrauer ausgewiesen. Dazu kam später noch das Café Schlößl.

    Der am 24.3.1732 niedergeschriebene Auszug aus dem Steuerbuch von 1681 führt unter den Kammergütern des Marktes 2 Brauhäuser auf. Ein Briefprotokoll vom 31.8.1668 nennt dazu 3 Malzhäuser.

    Im 18. Jahrhundert wurde in Tännesberg auch Hopfen angebaut. Daraus können wir die Bedeutung des Brauwesens für den Markt ersehen.

    Seit den dreißiger Jahren jedoch ging es mit der Brauerei bergab und im Jahre 1958 wurde das Kommunbrauhaus schließlich verkauft. Der Erwerber baute es zu einem Wohnhaus um.

  • Diepoldinger Marktgrafen

     

    Gegen Ende des 11. Jahrhunderts (etwa 1075) wurden die Diepoldinger aus dem schwäbischen Geschlecht der Grafen von Giengen mit den Marken Cham und Nabburg auf dem Nordgau (= überwiegend die heutige Oberpfalz) belehnt, die erst wenige Jahrzehnte vorher durch Kaiser Heinrich III. als getrennte Verwaltungsgebiete unmittelbarer königlicher Herrschaft gegründet worden waren. Sie verwalteten hier das Königsgut und erwarben durch Rodungen Allodial- bzw. Eigenherrschaften. Eine davon war Tännesberg.

    Auf dem Schloßberg von Tännesberg saßen Hausministeriale (= Gefolgsleute bzw. Dienstleute) der Diepoldinger. Diese bauten um die Burg eine Rodungsherrschaft auf. Die Orte auf -schwand, -ried und -richt weisen noch darauf hin.

    Um die Mitte des 12. Jahrhunderts umfaßte diese Rodungsherrschaft Tännesberg die Orte Etzgersrieth, Woppenrieth, Großen- und Kleinschwand, Lampenricht, Pilchau, Zeinried und die slawische Ansiedlung Kaufnitz. Unter den Paulsdorfern konnte dann im 13. Jahrhundert diese Herrschaft noch erheblich ausgeweitet werden.

  • St. Jodok-Ritt

     

    Im Jahre 1796 wütete eine Viehseuche in Tännesberg. In kurzer Zeit fielen der Seuche 200 Stück Hornvieh zum Opfer.

    Der Zeugmacher, Leonhard Paritus, brachte damals die erste Kuh durch und setzte aus Dankbarkeit zu Ehren des heiligen Wendelin (Viehpatron) ein Marterl an seinem Acker an der Oberviechtacher Straße. Später ging man dann alljährlich in feierlicher Prozession nach St. Jodok. Mit der Zeit schlief dieser Brauch ein. Erst nach dem 2. Weltkrieg, im Jahre 1950, wurde die alte Tradition unter der Leitung von Karl Eckl und dem Geistlichen Rat Friedrich Reichl wieder aufgenommen und findet seitdem an jedem vierten Sonntag im Juli statt.