Der Kainzbach im Wandel der Zeiten
Der Kainzbach ist ein typischer Mittelgebirgsbach des Vorderen Oberpfälzer Waldes. Er entspringt den blockreichen Hängen des Tännesberger Waldes und mündet nach etwa sechs Kilometern bei Kainzmühle in die Pfreimd.
In den abgeschiedenen Wäldern am Oberlauf kann man immer wieder auf alte Weiherdämme stoßen. Wo heute Wald steht, wurden früher Karpfen, Schleien und Forellen gezüchtet. Zwischen den Weihern erstreckten sich Wiesengründe.
Die Bewirtschaftung der abgelegenen, nassen Waldwiesen lohnte sich in neuerer Zeit nicht mehr. Viele Flächen wurden deshalb aufgeforstet. Nur kleine Lichtungen mit einigen wenigen Teichen blieben erhalten.
Außerhalb des Waldes wurde der Kainzbach auf längeren Strecken begradigt. So konnten die sumpfigen Talwiesen entwässert und besser bewirtschaftet werden.
Die Situation war aus mehrerlei Hinsicht unbefriedigend. Viele einst im Kainzbachtal heimische Arten verschwanden oder gingen stark in ihrem Bestand zurück. Die Fichtendickungen am Oberlauf verursachten eine deutliche Versauerung des Gewässers und damit eine Beeinträchtigung des Trinkwassers der Marktgemeinde Tännesberg. Wo der Bach durch die Feldflur oder Siedlungen floß, war er stark verschmutzt. Die Hoffnung der Bauern, auf den Wiesen wenigstens einen ertragreichen Wald zu begründen, erfüllte sich nicht. Trotz Entwässerung der sumpfigen Böden gediehen die gepflanzten Fichten schlecht.
Violetter Feuerfalter |
Der Violette Feuerfalter (Heodes alciphron) bevorzugt sonnige Störstellen in mageren Wiesen. Hier wachsen seine Raupenfutterpflanzen Großer und Kleiner Sauerampfer. Geeignete Lebensräume werden wegen Aufforstung, Überbauung und |
| Nutzungsintensiver immer seltener, der Violette Feuerfalter gilt deshalb als stark gefährdet. In Bayern kommt er noch zerstreut in den ostbayerischen Mittelgebirgen vor. Eine weitere gefährdete Art der mageren Hänge im Kainzbachtal ist das Brand-Knabenkraut. |
Brand-Knabenkraut |
Tümpel |
Die Tümpel und Teiche sind Lebensraum einer Vielzahl gefährdeter Pflanzen- und Tierarten, die z.T. erst im Laufe des Projekts eingewandert sind und hier eine neue Heimat gefunden haben. Der Schwarzstorch und der Waldwasserläufer suchen im flachen |
| Wasser nach Nahrung. In mehreren Teichen laicht die Knoblauchkröte. An moorigen Weihern und Tümpeln gedeiht der Wasserschlauch und jagen die seltenen Moorlibellen Norische Moosjungfer und Gefleckte Smaragdlibelle. |
Knoblauchkröte |
Schwarzstorch |
Der Schwarzstorch lebt in den störungsarmen Wäldern der Mittelgebirge Ostbayerns. Als Zugvogel kehrt er nach der Überwinterung in Afrika im März oder April wieder auf seine Horst zurück, welchen er hoch oben in einer |
| Baumkrone angelegt hat. Bevorzugt werden Waldgebiete mit vielen naturnahen Bächen, Teichen, Sümpfen und Feuchtwiesen. Hier findet er ein reiches Angebot an Nahrung - vor allem Wasserinsekten, Kleinfische und Lurche. |
Wiese |
Zweigestreifte Quelljungfer |
Mehrere Arten von Fließgewässerlibellen besiedeln den Bach. Am auffälligsten sind die metallisch glänzenden Prachtlibellen mit ihrem Flatterflug. Deutlich entschlossener scheinen die schnell fliegenden Männchen der Grünen Keiljungfer |
| und der Kleinen Zangenlibelle ihre Reviere am Bach zu verteidigen. An kleinen Quellbächen im Wald trifft man auf die Zweigestreifte Quelljungfer, die großte unter den Fließgewässerlibellen. Alle diese Arten reagierten empfindlich auf Gewässerverschmutzung und -ausbau. Sie sind bayernweit in ihrem Bestand gefährdet. |
Wiese |
Wässerwiesen |
Wie in vielen Mittelgebirgen Deutschlands gab es auch im Oberpfälzer Wald sogenannte Wässerwiesen. Dazu wurde der Bach durch ein Wehr angestaut und in Bewässerungsgräben am Talrand umgelenkt. Vor allem zur Zeit der Schneeschmelze wurde das Wasser von hier aus auf die Wiesen geleitet. Dadurch taute der Schnee früher ab. |
Der Boden erwärmte sich schneller und die mitgeführten Schwebstoffe düngten die Wiesen. Die arbeitsaufwendige Wiesenbewässerung wurde mit dem Aufkommen des Mineraldüngers aufgegeben. Auf der Höhe von Karlhof und Voitsberg sind noch Reste der Bewässerungsgräben im Kainzbachtal zu erkennen. |
Breitblättriges Knabenkraut |
Von Anfang an ...
Anfang der 90er Jahre wurde das Kainzbachtal-Projekt gestartet und die Kehrtwende eingeleitet. Erste Kartierungen hatten bereits Mitte der 80er Jahre eine Ahnung vom Artenreichtum früherer Jahre vermittelt. Flächenanpachtungen durch die Ortsgruppe Tännesberg des Bund Naturschutz und Ankäufe durch den Landesbund für Vogelschutz standen am Anfang des Projekts.
Durch Wiederaufnahme der Pflege der Feuchtflächen sollten v.a. horstnahe Nahrungsflächen für den Schwarzstorch geschaffen werden. Mittlerweile wurden mehr als 60 Hektar von der Gemeinde, der Forstverwaltung, der Autobahndirektion und dem Landesbund für Vogelschutz angekauft.
![]() Rodungsarbeiten |
![]() freigestellte Fläche |
... eine neue Heimat für Mensch, Tiere und Pflanzen
eine Vielzahl seltender und gefährdeter Arten haben den angebotenen Lebensraum neu besiedelt (z.B. Schlagschwirl, Waldwassserläufer, Turteltaube, Knoblauchkröte, Kleine Zangenlibelle). Restpopulationen der Nordischen Moosjungfer und Grünen Keiljungfer wurden durch Lebensraumerweiterung und –optimierung erfolgreich stabilisiert. Im Bach tummeln sich wieder Elritze, Bachforellen, Schmerle, Mühlkoppe. Als Folgeprojekt wurde im nördlichen Talabschnitt die Beweidung mit Rotvieh unter Trägerschaft des Landesbund für Vogelschutz umgesetzt.
... zogen alle an einem Strang

Auszeichnung
Das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit verlieh dem Projekt "Lebensraum Kainzbachtal" in Verbindung mit "Standortangepasste Landschaftspflege von ökologisch wertvollen Flächen mit Rotvieh im Oberpfälzer Wald" im Rahmen des Bundeswettbewerbs Deutscher Naturparke 2000 eine Ehrenurkunde.